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Bieler Philosophietage 2005: Referenten

 

Albert Jacquard, Paris (*1925)

Der französische Genetiker und Philosoph Albert Jacquard hat sich als Humanist und Globalisierungskritiker einen Namen gemacht. Er arbeitete u.a. für das Gesundheitsministerium und das demographische Institut Frankreichs sowie für die Weltgesundheitsorganisation. Zeitweise auch an der Universität Genf tätig, lehrt er derzeit in Paris und ist Pate der „Haute Ecole Albert Jacquard“ im belgischen Namur. Jacquard, der auch schon als „weltlicher Abbé Pierre“ bezeichnet wurde, versteht sich als Agnostiker, beschäftigt sich aber intensiv mit Glaubensfragen und übt häufig scharfe Kritik an Kirchen und (Erweckungs-)Religionen. In seinem Werk „Dieu?“ (2003) behandelt er die Auswirkungen von naturwissenschaftlichen Entdeckungen auf den Glauben. „Ich will nicht die Gesellschaft von morgen entwerfen. Ich will zeigen, dass sie nicht derjenigen von heute gleichen darf.“ (A. Jacquard)


Eberhard Jüngel, Tübingen (*1934)

Der gebürtige Magdeburger Eberhard Jüngel studierte Theologie in Naumburg, Berlin, Zürich und Basel. In den 1960er-Jahren lehrte er in Berlin und Zürich u.a. Systematische Theologie und Dogmatik. Seit 1969 ist er Ordinarius für Systematische Theologie und Religionsphilosophie in Tübingen und seit 1987 Ephorus des Evangelischen Stifts. In seinen Werken stellt Jüngel den weltlich-philosophischen Anleihen einiger moderner Theologen die reine Kraft der Evangelien entgegen. Das Wort Gottes, sofern im Sinne von Jesus Christus von der Kirche angewendet, schützt seiner Ansicht nach vor totalitären Denkweisen und vor der Vergötzung des Individuums. Neuere Werke: Beziehungsreich. Perspektiven des Glaubens (2002), Anfänger. Herkunft und Zukunft christlicher Existenz (2003), Ganz werden. Theologische Erörterungen V (2003), Predigten 1-4 (2003).


Ulrich Knellwolf, Zollikon (*1942)

Der Theologe Ulrich Knellwolf ist einer breiteren Öffentlichkeit vor allem als Autor zahlreicher Kriminalromane bekannt. Er studierte evangelische Theologie in Basel, Bonn und Zürich. Zunächst als Pfarrer tätig, promovierte er 1990 an der Universität Zürich über das Verhältnis von Predigtamt und erzählendem Werk bei Jeremias Gotthelf. Das Studium des Bösen in der Bibel wie auch die menschliche (Un-)Moral, der er im Alltag als Pfarrer begegnete, führte Knellwolf zum Kriminalroman. Durch sein Werk zieht sich die Erfahrung, dass das Böse in der Normalität verwurzelt ist. Werksauswahl: Roma Termini (1992), Tod in Sils Maria (Erzählungen, 1993), Klassentreffen (1995), Adam, Eva und Konsorten – 16 biblische Kriminalfälle (1996), Den Vögeln zum Frass (2001), Sturmwarnungen (2004). „Ich habe bei Georges Simenon mehr über die Sünde erfahren als in den theologischen Werken, die ich mir zuführte.“ (U. Knellwolf)


Denis Müller, Lausanne (*1947)

Der gebürtige Neuenburger Denis Müller studierte Theologie in Neuenburg, Basel, München und Tübingen, war als Pfarrer und Erwachsenenbildner tätig und nahm in verschiedenen Ethikkommissionen Einsitz. Seit 1988 ist er Professor für theologische Ethik an der theologischen Fakultät der Universität Lausanne. Müller sieht sich als Generalisten sowie Grenzgänger und äussert sich misstrauisch gegenüber den Intellektuellen im Elfenbeinturm. Neuere Werke: L’éthique protestante dans la crise de la modernité (1999): Les passions de l’agir juste (2000), Puissance de la Loi et limite du Pouvoir (Essay über Calvin, 2001), Wert und Würde von „niederen“ Tieren und Pflanzen (2001, mit A. Arz de Falco), Mourir...et après? (2004, Hrsg, mit D. Marguerat),


Marit Rullmann, Gelsenkirchen (*1953)

Marit Rullmann, M.A. phil., studierte Philosophie, Alt- und Neugermanistik in Bochum. Sie arbeitet als freie Dozentin für Philosophie, Autorin, Leiterin Philosophischer Cafés (die sie in Deutschland 1989 mit einer Kollegin begründete) sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Nach diversen Veröffentlichungen über Literatur, Medientheorie und feministische Philosophie in Fachpublikationen, legte sie mit dem Zweibänder "Philosophinnen" (Bd. 1: Von der Antike bis zur Aufklärung, Bd. 2: Von der Romantik bis zur Moderne, Suhrkamp 1998) ein populärwissenschaftliches Buch vor. Eine Wanderausstellung auf Basis dieses Werks ist in Deutschland und Österreich unterwegs. Weitere Veröffentlichungen: „Frauen denken anders - Philo-Sophias 1x1“ (gemeinsam mit W. Schlegel), „Sophias Weisheiten“ (2004).


Wolfgang Wackernagel, Genf (*1956)

Wolfgang Wackernagel studierte Philosophie, Philologie und Religionsgeschichte in Genf und München. Er doktorierte über Leben und Wirken des dominikanischen Mystikers Meister Eckhart und schrieb auch Poesie. Ein Hauptanliegen des Dozenten am Genfer Institut für Symbiosophie („Die Weisheit des Zusammenlebens“) ist die Verbreitung philosophischen Denkens in der Öffentlichkeit. Dazu bestreitet er regelmässig Radio- und Fernsehsendungen. Wichtigste Werke: Imagine denudari. Éthique de l'image et métaphysique de l'abstraction chez Maître Eckhart (1991), La texture de l'image: du calligramme au fractogramme (1991)


Simone Zurbuchen, Freiburg/Ue (*1960)

Simone Zurbuchen studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Zürich, lehrte in Potsdam und Zürich, wo sie sich 2000 habilitierte. Seit 2003 ist die Spezialistin für Philosophie, Politik und Gesellschaft im 18. Jahrhundert assoziierte Professorin am Departement für Philosophie an der Universität Freiburg im Uechtland. In ihrem Buch „Patriotismus und Kosmopolitismus. Die Schweizer Aufklärung zwischen Tradition und Moderne“ (2003) vertritt sie die These, wonach sich die Aufklärung in der Schweiz durch einen eigenen Charakter von derjenigen im benachbarten Ausland unterschied. Werksauswahl: Naturrecht und natürliche Religion. Zur Geschichte des Toleranzbegriffs von Samuel Pufendorf bis Jean-Jacques Rousseau (1991).