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Bieler Philosophietage 2007 — Schlussbericht

Biel, 11. November 2007. Das Motto der 4. Bieler Philosophietage „Ich kaufe, also bin ich“ wurde zum einem Publikumsmagnet. Rund 450 Personen diskutierten in unkonventionellen philosophischen Ateliers und liessen sich, angeregt durch Film, Theater und Musik, auf vielfältige Weise aufs Tagungsthema ein.

Konsumfrust und Kauffreude wurden philosophisch und ökonomisch beleuchtet und breit debattiert. Dabei ergaben sich in zehn unterschiedlichen Darbietungen überraschende Einsichten zum Thema Konsumentenmündigkeit und verführerischer Manipulation.

In der Schalterhalle der UBS Biel steckten am Freitag bereits die Grussworte der beteiligten Partner – unter anderem der Handels- und Industrieverein und die Gewerkschaft Unia und die Stadt Biel – das Spannungsfeld der diesjährigen Philosophietage ab. Einer symbolträchtigen Erzählung des Mythos vom König Midas und einem Exposé des französischen Philosophen Gilles Lipovetsky zur Gesellschaft des Hyperkonsums folgten die Auf-zeichnungen der gut besuchten „Sternstunde Philosophie“ (TV DRS) und des Radios Espace 2. Die ausgewogene Beteiligung beider Sprachgruppen unterstrich die konsequent zweisprachige Ausrichtung der Veranstaltung.

Am Samstagmorgen folgten im Bieler Stadttheater die Referate von sechs Philosophinnen und Philosophen. Wolfgang Fritz Haug und Oskar Negt skizzierten ein differenziert kritisches Bild einer umfassenden Ökonomisierung der Welt. Die „Leibphilosophin“ Annegret Stopczyk thematisierte die emanzipierende Wirkung eines sinnlich beurteilten Konsums und der praktische Philosoph Gerd Achenbach verglich den vorherrschenden ökonomischen Sog mit Goethes teuflischem Pakt. Christian Arnsperger befragte die (mögliche) Autonomie und die Hilflosigkeit des Konsumenten und Gilles Lipovetsky präzisierte die Position des Käufers zwischen Abhängigkeit und leidenschaftlicher Freiheit.

Weniger analytische Zugänge zum Thema boten die kulturellen Veranstaltungen, welche in die Bieler Philosophietage eingebettet waren. Das Stück „Torschusspanik“ bot Anlass zu einer nachdrücklichen Diskussion zur Ökonomie des Kinderkriegens in der westlichen Welt. Der Film „Der tschechische Traum“ regte eine Diskussionsrunde zur Rolle von Werbung und Verführung zum Konsum an – eine Thematik, welche das Atelier „Kaufrausch“ am Sonntag mit visuellen, literarischen und musikalischen Mitteln eingängig zuspitzte. Die junge Bieler Band Lazen begleitete Diskussionen im lockeren Rahmen bis tief in die Nacht. Die Komposition „Sterntaler“ des Bieler Komponisten Urs Peter Schneider, abgerundet durch Lieder von Ludwig van Beethoven, schloss am Sonntag den kulturellen Rahmen der diesjährigen Bieler Philosophietage. Die Schriftstellerin Anne Weber kommentierte aus eigenwilliger Perspektive die 4. Bieler Philosophietage, indem sie unter anderem den Philoso-phen das Motto „Ich bin, also denke ich“ empfahl.

Die zweisprachigen Bieler Philosophietage finden seit 2001 alle zwei Jahre statt. Sie sind in ihrer nationalen Ausrichtung in ein weites Netz unterstützender Organisationen eingebunden. Sie werden vom Verein Bieler Philosophietage organisiert und stehen unter dem Patronat der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften.

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