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Mirjam Neidhart: TORSCHUSSPANIK ( Schweizer Erstaufführung )

Intime Einsichten in die Reproduktionskrise

„Erst war's zu früh, dann war's nicht der richtige Zeitpunkt, und dann war's zu spät.“

Die Schweizer sterben aus. Und nicht nur sie: Italiener, Deutsche, Ungarn – ganz Europa leidet unter Schwund. Nie war der Konsens größer. Neue Kinder braucht das Land. Doch was sagen die, die dem demographischen Imperativ nicht folgen, weil sie es nicht wollen? Oder weil sie es nicht können? Oder weil vielleicht etwas ganz anderes dazwischen kam?

Schuldige für die allgemeine Kinderlosigkeit sind leicht gefunden: Feministinnen zum Beispiel, die den Frauen ihren naturgegebenen Platz am heimischen Herd madig gemacht haben. Oder egoistische Karrieristinnen, die lieber Geld verdienen als sich um den Nachwuchs kümmern wollen. Oder aber, von anderer Warte aus betrachtet, unerschwingliche Kinderbetreuung, wirtschaftliche Unsicherheit und unflexible Arbeitszeiten. Abseits der Schlagworte sieht die gesellschaftliche Realität zwischen Kinderwunsch und -wirklichkeit allerdings erheblich komplexer aus. Mirjam Neidhart hat Interviews geführt mit Menschen, die nie Kinder wollten, immer von Kindern träumten, Kinder verloren haben, Eltern sind, berufstätig sind, allein, zu zweit oder zu dritt Kinder großziehen. Die Probleme mögen sich gleichen, der Umgang mit ihnen dagegen nie: Wo die eine es „indiskutabel“ findet, Beruf und Familie zu kombinieren, findet die andere „Kinderkrippen etwas Wunderbares“. Neidharts „intime Einsichten in die Reproduktionskrise“ versammeln Szenen von grotesker Logik, Momente großer Traurigkeit und Zeugnisse verzweifelter Versuche zu einer facettenreichen Bestandsaufnahme der „Generation Gebärfähig“.

Mirjam Neidhart, 1965 in Basel geboren, studierte an der Scuola Teatro Dimitri und an der Zürcher Hochschule für Musik und Theater. Sie war Oberspielleiterin am Reutlinger Theater Die Tonne und arbeitet seit 1996 als freie Regisseurin und Autorin. Ihr Dokumentarfilm Carry on Regardless wurde 2004 bei den Solothurner Filmtagen gezeigt. 2005 erhielt sie das Aufenthaltsstipendium für schreibende Kulturschaffende im Atelier des Kantons Zürich in Berlin. Mirjam Neidhart hatte Lehraufträge in Berlin und Zürich und war 2006 Teilnehmerin der Masterclass MC6, des Dramatiker/innenförderungsprogramms des ITI-Suisse.

Es spielt das Ensemble des Theater Biel Solothurn. Der deutsche Text wird in französischer Sprache im Theater eingeblendet.

Regie: Katharina Rupp

Bühne: Karin Fritz

Choreographie: Norbert Steinwarz