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Unsichtbare Räume: ein Sonntagsspaziergang

Räume sind mehr als die materielle Begrenzung unseres Lebensumfelds an einem substanziell definierten Ort. Antike und alltagsweltliche Vorstellungen von Raum – als vorgegebene, naturalisierte Substanz im Sinne eines Behälterraums, der sich an einem bestimmten Ort manifestiert – werden nicht zuletzt durch die Virtualisierung und Globalisierung von Räumen und Orten heute vermehrt in Frage gestellt und bedürfen einer Revision.

Doch was ist eigentlich Raum? Wie entsteht er? Wer erschafft Raum, wenn er denn erschaffen werden muss? Sind Räume immer und für alle gleich? Welche Wirkungen haben Räume auf uns? Und: welche Bedeutung haben Räume und Orte in einer virtuellen und globalisierten Gesellschaft?

Mit einem phänomenologischen Denkansatz zu Raum, welcher die Definition von Raum mit Erkenntnissen aus der sinnlichen Wahrnehmung erweitert, wollen wir den Behälterraum aufbrechen und uns in die Dimensionen des unsicht- und unfassbaren vorwagen und dabei unsere eigenen Geschichten und Geschichte entdecken. Gert Selle, der sich mit der Wahrnehmung von Architektur beschäftigt, schreibt dazu: „Wahrnehmung des im weitesten Sinne umbauten Raumes ist ein physisch, psychisch und mental berührendes Ereignis, in dem Erfahrung produziert, abgerufen, bestätigt, modifiziert oder neu aufgebaut und im Gedächtnis gespeichert wird.“ und definiert die Entstehung von Raum als etwas, das als „(...) Eindruck einer Umgrenzung der Bewegung des Körpers (...)“ gleichzeitig mit der Raumwahrnehmung einsetzt, welche wesentlich aus Abschweifungen ins Unsichtbare der Erinnerung, der Imagination und der Verknüpfung und Deutung besteht.“

Auf einem Spaziergang mit drei Stationen durch die Stadt Biel wollen wir unsere Sinne öffnen und unser alltägliches Umfeld mit neuen Eindrücken bereichern – wir freuen uns auf die gemeinsame Reise!

 

Station_1: Klangräume: Geräusche sind prägende Elemente in der Wahrnehmung von Räumen und Orten. Oftmals unbewusst, beeinflussen sie unser Verhältnis zu einem Raum oder Ort wesentlich – sie sind uns angenehm und laden zum Verweilen ein oder sind uns lästig und machen, dass wir Orte meiden. Geräusche werden individuell sehr unterschiedlich aufgenommen und bewertet. Das Konzept Soundscape beschäftigt sich mit unserer Klangumwelt. Es macht Geräusche bewusst, zeigt auf, wie Orte von Geräuschen geprägt sind und wie Räume und Orte über Geräusche Veränderungen erfahren (Mit: Peter Streiff, Komponist und Musiker, Bern).

Station_2: Erinnerungsräume: Architektur, also gebaute Räume und Orte, sind im kulturellen Gedächtnis von Gesellschaften das baulich manifestierte sichtbare und erlebbare Erbe vergangener Epochen und Geschehnisse. Nebst dieser kollektiven Erinnerungs- und Gedächtnisfunktion sind Architekturen auch Träger und Projektionsflächen von persönlichen Erinnerungen: Erinnerungen, die individuell an Bauten gekoppelt sind und uns an die Bauten selber oder an Ereignisse im Zusammenhang mit diesen Bauten erinnern. In dieser Funktion tragen sie ganz wesentlich zu unserer individuellen Identität und Identifikation mit Orten und Räumen bei. Erst über die Erzählung werden diese flüchtigen Räume bewusst und können über die eigene Existenz hinaus Wirkung entfalten (Mit: Dominique Plüss, Architektin, Fotografin und Kulturwissenschaftlerin, Bern).

Station_3: „Gesundheitsräume“: Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Unser Wohlbefinden im Sinne von Lebensqualität ist nebst dem individuellen Verhalten auch abhängig von äusseren Faktoren und Verhältnissen in denen wir leben. Umwelt- und Raumfaktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Orte machen krank, aber auch gesund. Ein Kriterienkatalog gibt Anhaltspunkte, welche Faktoren, welche Auswirkungen auf die Gesundheit haben können (Mit: Raimund Rodewald, Biologe, Bern).