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Atelier 2: Die philosophische Fesselung oder Philosophie als Kettenhündin

Atelier mit Ekkehard Martens

Kann man Neugier kontrollieren? Diese Frage steht hinter dem Referat von Ekkehard Martens. Neugier und Verwunderung über das, was ist und wird steht am Anfang jeder philosophischen Tätigkeit. Philosophie „lebt“ vom Kommentieren, Fragen, Entwickeln und Verbinden. Es gibt kein Denken, das abschliessend festhalten kann, was sich bewegt. Philosophie hat aber ihren eigenen Nährboden. In diesem Sinne ist Philosophie zwar global ausgerichtet, muss sich aber immer mit der eigenen regionalen Fessel auseinandersetzen.

Philosophische Systeme sind per definitionem relativ, und zwar zum gesellschaftlichen Umfeld, in dem sie gedeihen. Am wenigsten betrifft dies die rein rationale Philosophie, stärker die Ethik, noch mehr die Ästhetik und am heftigsten natürlich die politische Philosophie.

Philosophen (wie Sokrates) „wissen“ das. Deshalb streben sie Öffnung an, verbünden sich mit der Neugier, suchen neue Konstellationen und Verbindungen zu Ungewohntem.

In Zeiten grosser Kontroll-, Evaluations- und Standardisierungstendenzen bedeutet philosophieren auch das Überschreiten von Vorgaben, ein Über-den-Hag-Fressen. Philosophie muss aber auch gelernt sein; ohne „Kanon“, ohne Fundament geht es nicht.

In dem Sinne gibt es eine positive Fesselung der Philosophie, das Bewusstsein ihrer Bedingtheit.

Im Atelier mit Ekkehard Martens soll das Spannungsfeld zwischen positiver kontrollierter Philosophie und ihrer prekären Existenz als Kettenhündin (des Systems) beleuchtet werden.

Moderation: Markus Waldvogel