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Was bist Du uns wert?

Drei Menschen, drei Geschichten. Für wen zahlen wir? Für wen zahlen wir nicht? Im Atelier „Was bist Du uns wert?“ wird die Grundfrage der vierten Bieler Philosophietage – ich kaufe, also bin ich – auf die Spitze getrieben. Können wir uns unsere Gesundheit, unser Leben er-kaufen? Und was steckt hinter einem solchen Wunsch?

Die Medizin verkörpert wie kein anderer Bereich des modernen Lebens Machbarkeit und Fortschritt. Doch die moderne Medizin hat auch ihren Preis, der selbst hoch industrialisierte Gesellschaften langfristig in den Ruin treiben kann. Eine unheimliche Spannung hat sich auf-gebaut: auf der einen Seite steht das leidende Individuum, dem man so viel Hilfe wie möglich angedeihen will – auf der anderen Seite das Kollektiv, das nicht endlos bezahlen will und kann. Immer aufdringlicher stellt sich die Frage nach dem Sinn des medizinisch Machbaren. Wann sind wir wieder bereit, den Tod als natürliches Ende jeglichen Lebens zu akzeptieren?

Im Alltag und in der Politik lassen diese Fragen den Menschen meist ratlos zurück. Und die damit verbundenen Vorstellungen werden auch strategisch eingesetzt. Oder würden Sie sich getrauen, den Fortschritt der medizinischen Forschung und unseres Gesundheitswesens an der Urne abzulehnen, wenn ihnen ein leidender Mitmensch direkt oder von der Plakatwand hilfe-suchend in die Augen schaut?

Im Atelier „Was bist Du uns wert?“ soll dieses Spannungsfeld an Fragen und Problemen aus-geleuchtet werden. Es beginnt mit einem Schlag in den Bauch. Jeder Teilnehmende erhält einen schwarzen Ball. Dann werden drei „Patienten“ ihre Krankengeschichte erzählen – aber auch den Preis der notwendigen Behandlung nennen, sagen, wohin das Geld fliessen wird und die Alternative aufzeigen, die sie haben. Das Publikum – also Sie! – fällt den Entscheid. Sie bezeichnen mit Ihrem Ball jenen Patienten, an welchem Sie sparen würden. Anschliessend wollen wir im gemeinsamen Gespräch versuchen, aufzudecken und zu verstehen, was „Le-benspreis“ bedeutet und welches die Mechanismen und die Interessen sind, welche sich hinter dem „Preis“ und den „Kosten“ des menschlichen Lebens verstecken.

Teilnehmer: Oskar Negt, Philosoph, Philippe Perrenoud, Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, SchauspielerInnen

Moderation: Ruth Baumann-Hölzle, Institut Dialog Ethik Zürich