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Die Wirtschaft geht zum Teufel

Gerd Achenbach

Einer, der sich mit der "Logik der Wirtschaft" recht gut auskannte, hat ihren Betrieb mit "Satansmühlen" verglichen. Und einige der besonders erfolgreichen Hedge-Fonds-Manager hat DIE ZEIT einmal die "Teufelskerle der Wall Street" genannt.

Doch so harmlos - bloß redensartlich nämlich - ist der Titel "Die Wirtschaft geht zum Teufel" nicht gemeint. Sondern durchaus ernst. Erinnert die Atmosphäre im Reich der Wirtschaft nicht verteufelt an den Diabolus und großen Verführer? Kälte greift um sich, ein scharfer, eisiger Wind bläst ins Gesicht, die Konkurrenz ist "unbarmherzig", Moral verlachen sie als Sentimentalität, der Zynismus macht den Erfolg, und die Lüge bereitet ihm die Wege. Während dessen agieren die Zuständigen, als hätten sie mit Mephisto einen Pakt geschlossen: Das Gefühl beschleicht sie, an einen Prozess ausgeliefert, der Freiheit beraubt zu sein - irgendwie gilt: Mit gegangen, mit gehangen. Erst lockte ein Versprechen, danach herrscht der Zwang. So erging's dem Faust.

Doch alles ist nochmals unheimlicher. "Das Prinzip Teufel" ist das der bedenkenlosen Wunscherfüllung. Wo immer der Schmeichler, der Betrüger auftritt, stellt er sich vor mit dem Satz: "Was steht zu Diensten?" Sein Grundsatz ist: Ich liefere, „was ihr wollt“, ohne Bedenken, ohne Einwand, ohne lästige Belehrungen. Seine Devise lautet: Wer mich beauftragt, ist König. "Das Prinzip Teufel" heißt Service und Bedienung: Es macht den Menschen zum Kunden und zum Konsumenten. Aber es befriedigt nur, um neue Bedürfnisse zu schaffen. Und es wird nur ausgeteilt, um noch begieriger zu machen. Man nannte das auch "Teufelskreise“ … Und von den "Satansmühlen“ gilt: Zuletzt werden sie sich selber mahlen. Denn alles Gewaltige ruiniert am Ende sich selbst.