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Hochkarätige Veranstaltungen und volle Säle

Die 9. Bieler Philosophietage mit dem Titel „Wer ist Wir?“ gingen am Sonntag mit einem letzten Höhe-punkt im Farelhaus zu Ende. Julian Sartorius zeigte mit eigenwilligen Schlagzeugimprovisationen, was tagszuvor Hartmut Rosa vor vollem Haus im Stadtheater Biel mit dem Konzept der Resonanz aufgegriffen hatte: Wir müssen uns von der entfremdeten Welt wieder mehr verzaubern lassen!

Mit zehn Veranstaltungen wartete die neunte Edition der Bieler Philosophietage 2017 auf. Das Thema „Wer ist wir?“ hatte erneut einen grossen Publikumserfolg bei der schweizweit einzigartigen philosophischen Veranstaltungsreihe. Vor vollen Sälen näherten sich Philosophy Slam, Film, Vorträge, Ateliers und ein Grenzen auslotendes Konzert einem brennenden Thema.

Die Frage nach dem „wir“ und den Identifizierungsprozessen weckte starke Emotionen und reichte von der Überschwänglichkeit der Philo Slammer am Donnerstag, dem tief bedrückenden Film „Un juif pour l’exemple“ mit anschliessender Diskussion mit dem Regisseur Jacob Berger,  den markanten Referaten von Ursula Renz, Alain Renaut, Marie-Pauline Chartron und Hartmut Rosa sowie den Ateliers zu dem feste Vorstellungen durchbrechenden Konzert von Julian Sartorius. 

Welche Erkenntnisse aus der Frage „Wer ist wir?“ konnten gezogen werden? Identifikation mit sich und der Welt verlangt nach einem selbstbestimmten Selbstverhältnis des Ichs, das zwar Festlegungen (Commitments) mit anderen kulturellen Gruppen durchaus eingeht, diese aber dann verweigert, wenn sie den Kern des Ichs gegen den eigenen Willen zu verändern droht (Ursula Renz). Unsere Beziehung zum „wir“ ist dreistufig und umfasst die Ich-Identität, die Identität einer und mehrerer „wir“ sowie die Auseinandersetzung mit einem universellen „wir“, das den Einzelnen an die Menschenrechte bindet. Humanismus bedeutet heute nicht Anpassung, sondern die Auseinandersetzung mit der Vielfalt (Alain Renaut). Schliesslich plädiert der Soziologe Hartmut Rosa für eine resonante Beziehung zu Welt, die auf Affizierung, Emotion, Transformation und Unverfügbarkeit beruht, wonach Heimat letztlich immer etwas Fremdes, Unplanbares bleiben müsse.

Insgesamt besuchten über 400 Zuschauer/innen die 4tägigen Veranstaltungen der 9. Bieler Philosophietage. Dieses erfreuliche Resultat ist laut der Organisator/innen die Folge der guten Vernetzung mit dem Schweizer Fernsehen, dem Filmpodium, der reformierten Kirchgemeinde Biel und dem Theater Orchester Biel-Solothurn. „Die Kulturinstitutionen in Biel sind unverzichtbare Orte für die philosophische Reflektion, meinten die Veranstalter.

 

Bericht und Videos zum 2. bilinguen Philo-Slam